Mittwoch, 8. Februar 2017

Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald (aka Lass uns knuspern, Mäuschen) (D, 1970)

Regie: Franz Josef Gottlieb

Seitdem ich mal einen alten Videokatalog von VMP sah, weiß ich von der Existenz dieses Films, hatte aber wenig Hoffnung, in jemals zu sehen. Denn es gibt ihn bislang nur auf einer seltenen und daher teuren alten VHS-Kassette aus den Anfangstagen der Videotheken.


Was mich stutzig machte: Das ist ein Werk von Franz Josef Gottlieb, der in den 70ern viele deutsche Komödien und Klamaukfilme drehte. Der nächste Film in seiner umfangreichen Filmografie ist „Wenn die tollen Tanten kommen“ mit Rudi Carrell und Ilja Richter. 1987 drehte er „Zärtliche Chaoten“ mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger. Nuff said.

Und als sei das nicht genug: Karl Dall in einer seiner ersten Filmrollen und Herbert „spielt auch bei jedem Scheiß mit“ Fux.

Knuspern im Wald
Alles spricht für eine Trashgranate. Und just stolpere ich bei youtube über ein VHS-Rip, das ein netter Mensch dort hochgeladen hat. Leider in recht schlechter Qualität, noch dazu die englische Synchro. Moment – Synchro? Dieser Scheiß wurde ernsthaft für den ausländischen Markt synchronisiert? Unfassbar.

OK, also finally – ein Blick auf dieses Kleinod deutschen Filmschaffens. Wie unschwer zu erraten, war hier eine Art „Erwachsenenversion“ des Grimm-Märchens angedacht. 1970, die sexuelle Revolution im vollen Gange, und die Filmproduzenten schieben tonnenweise Softsex-Filme in die Kinos, um den scheinbaren Nachholbedarf der Deutschen in Sachen nackte Haut zu befriedigen.
Im Film ist das auch sehr präsent – es wird auffallend oft monologisiert und mit aufklärerischem Diktus erzählt, dass Sex ja ganz natürlich sein und überhaupt. Gleich zu Beginn sehen wir Hänsel und Gretel im Badesee planschen, und Hänsel will Gretel an den Schlüppi, was sie verwehrt. Daraufhin wird er zickig und erzählt ihr, dass sie zwar eine gute Köchin sein, aber sie nun endlich mal begatten will. Äh ja. Aber Mutti will vor dem Koitus erst mal ordnungsgemäß heiraten. Wenn ich die konfuse Handlung halbwegs korrekt interpretiert habe, ist im Verlauf des Films eine andere Frau im Spiel (die Hexe, quasi), und am Ende knattern sie doch mit ohne Schein und alle sind happy. Oder so.
Ja, das ist so ein „Was zur Hölle habe ich da gerade gesehen?“-Film. Es sind mehr einzelne Sequenzen denn eine fortlaufende Handlung, und holy moly, das muss man teilweise echt gesehen haben, um es zu glauben.

Wie wäre es mit einer psychedelischen Traumsequenz mit allerlei Oldschool-Optikeffekten und einen halbnackten Karl Dall als Folterknecht, der eine leicht bekleidete Dame auf so einer Streckbank festschnallt und mit Peitsche und Messer rumwedelt?

Ohne Worte.
Oder einer romantischen Fummelszene im Wald inmitten von Herbstlaub, nur um innerhalb eines Schnitts Pferde beim Begatten präsentiert zu bekommen, während Herbert Fux als Knecht und zwei Damen sich das offenbar fasziniert ansehen? What. The. Fuck.

Die Rolle von Karl Dall habe ich nicht kapiert. Er stellt einen gnadenlos over-actenden Typen dar, der im Laufe des Films immer wieder auftaucht und – Leute bespannt. In einer Szene verführt er Hänsel zum Alkoholkonsum, in einer anderen lässt er geschnitzte Holzpuppen poppen und grimassiert, als wäre er kurz vor der Einweisung.

Ohne Worte. Immer noch.
Nach 79 Minuten ist der Kram dann auch schon vorbei. Ein unfassbarer Film, der meine kühnsten Erwartungen in Sachen Trashperle übertraf. Ich frage mich, warum das noch niemand als DVD veröffentlicht hat, das ist allemal interessanter als die drei Milliarden strunzlangweiliger Lederhosen- und Schulmädchenreport-Filme, die es digital zu haben gibt.

Denn eines muss man F. J. Gottlieb lassen – er versteht sein Handwerk. Immer wieder gibt es Szenen, die wirklich bemerkenswert sind und in anderen europäischen Filmen dieser Epoche mit einem gewissen „Kunstanspruch“ nicht negativ auffallen würden.

Kuriosum der deutschen Filmgeschichte. Und meine Neugierde wurde nach vielen Jahren gestillt.
VHS: VMP 8049 (weißer Einleger), auch als Telerent und JVC Glasbox




Le Frisson des Vampires / Sexual-Terror der entfesselten Vampire (F 1971)

Regie: Jean Rollin

So, nach diesem ganzen modernen Kram mal wieder klassisches 70er-Jahre-B-Movie-Terrain.
In der deutschen Auswertung trägt dieser Streifen den unangemessen reißerischen Titel „Sexual-Terror der entfesselten Vampire“, im Englischen „The Shiver Of The Vampires“. August 2016 ist dieses Werk sogar erstmals in Deutschland für das Heimkino erschienen, in einer recht teuren, aber verdienstvollen Edition, gar mit Bluray, und frisch vom Originalnegativ abgetastet. Das ist für so einen Nischenfilm schon bemerkenswert.

Blasses Vampirhippiemädchen, jetzt in jeder siebten Uhr.



Der Regisseur Jean Rollin hat durchaus einen Namen und "cult following", daher ich war neugierig, was den geneigten Zuschauer dort erwartet.

Kurz zur Handlung: Ein Ehepaar in den Flitterwochen fährt durch die Walachei, um zwei Cousinen der Braut zu besuchen, die sie seit Kindheitstagen nicht gesehen hat. Doch ach – sie erfahren, dass die Verwandtschaft just am Tag zuvor umgekommen ist und dort nur ihre beiden Dienerinnen zu finden seien. Sie fahren trotzdem hin und erleben dort allerlei.



Handlung ist bei diesem Film Nebensache. Wie so oft im europäischen B-Movie dieser Jahre geht es hier primär um Atmosphäre und „Schauwerte“, dabei immer zwischen Kunstanspruch und Exploitation schwankend. In der Tat ist hier die dem Vampirmythos inhärente Sexualität durchaus konkreter umgesetzt als in vielen anderen Vampirfilmchen. Sprich: Es gibt einiges an nackter Hippie-Haut. Der Film schreit „1971!“ – vor allem in Sachen Mode, Frisuren und Musik.

Zum Wohl!

Hauptsächlich spielt der Film in den klassischen Vampirsets – das unheimliche Schloss und der alte Friedhof. Auf visueller Ebene weiß der Film zu gefallen – Rollin versteht sein Handwerk und macht das beste aus seinen Möglichkeiten mit Kameraperspektiven, Bildgestaltung und Effekten, die interessant und überraschend sind.

Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber ich erkenne die Qualitäten. Diese sind mehr visueller denn narrativer Art. Poetisch, psychedelisch, experimentell, surreal, bizarr.

An acquired taste.

DVD/Bluray: ELEA-Media

Montag, 6. Februar 2017

Alien Interceptors (USA, 1999)


OT: Interceptors
Regie: Philip J. Roth

Diese herrliche Gurke wurde in der DVD-Steinzeit (anno 2000) von EMS veröffentlicht, in diesen charmanten Super-Jewel-Cases, die mir immer auffallen, weil dort manche Perlen (im Sinne von: guter Stoff für diesen Blog hier) versteckt sind.

Alter, leg den Comic weg, die Aliens kommen!
Diese Direct-To-DVD-Produktion amerikanischer Genese ist – wie der Titel vermuten lässt – ein weiterer kostengünstig abgekurbelter Alien-Film. Die Geschichte kennt ihr. Huch, es landen Aliens auf der Erde. Großer Krater in der Wüste. Überfordertes Militär. Eine Gruppe hartgesottener Spezialeinheitentypen. Der übliche Kram, der seit den 50er Jahren gefühlte millionenmal durchgekaut wurde.

Oh-oh. Ein Krater. 
Der Film beginnt in der Tat mit alten UFO-Aufnahmen, was gut in die Geschichte einführt und auch ein gewisses Bewusstsein der Filmemacher zeigt – „ja, wir drehen ein Alien-B-Movie wie in den 50ern, aber wir haben Spaß dabei“. Finde ich ganz sympathisch. Vielleicht interpretiere ich das auch hinein und die brauchten einfach billige stock footage für den Vorspann. Auch möglich.
Eine der interessantesten Fragen bei dieser Art Film ist: Wie ist das Alien konzipiert? Hier ist es ganz klar an Predator angelehnt. Über die meiste Spielzeit ist die Präsenz des Aliens nur über das Mittel verfremdeter POV-Shots spürbar. Eine simple, aber recht effektive Methode, Suspense zu erzeugen. Allemal besser als schlechte Spezialeffekte.

Spezialeinheit to kick some alien ass. Die haben sogar Telefon im Kofferraum.
Die Erde bekommt es hier zudem mit einem Gestaltwandler zu tun. Er nimmt auch gerne die Form seiner menschlichen Opfer an. So ist die Screentime der eigentlichen außerirdischen Lebensform recht gering, was auch ganz gut ist. Das Monster an sich sieht nämlich aus wie einem Nintendo64-Spiel entsprungen. Billig-CGI, was anhand des Entstehungsjahrs und des sicherlich überschaubaren Budgets nicht überraschen sollte. Zum Glück wurde sparsam mit Effekten aus der Dose umgegangen, wohl aus Budget-Gründen, was dem Film durchaus zu gute kommt.

Was bleibt noch zu sagen? Natürlich sind alle Charaktere doof wie Bohnenstroh, die Dialoge kaum der Rede wert, allerlei dilettantisches Schauspiel sowie ein paar ansehbare körperliche Auseinandersetzungen, die in ihrer Überdrehtheit durchaus Laune machen. Ein Drehbuch, das brav alle Klischees durchhechelt, es dabei aber schafft, das vorhersehbare Spektakel doch halbwegs spannend zu halten. Habe mich beim Filmeschauen schon mal mehr gelangweilt als hier.
Ein „So schlecht, dass er schon wieder gut ist“-Film. Unterhaltsamer Schrott! Watch the sky.

They came from outer space. Aus einem 486er.
Die mir vorliegende DVD ist übrigens eine „Premium-DVD“, wie ein Aufkleber stolz verkündet. Da ist nämlich noch ein PC-Spiel-Demo und – Obacht! – „aktive Internetlinks u. v. m.“ mit drauf. Drollig. Die Premium-DVD gibt es online im Übrigen für sehr überschaubare Summen hinterhergeworfen. Falls doch jemand neugierig geworden ist.

DVD: ems (Erstauflage im Super-Jevel-Case)


Sonntag, 5. Februar 2017

Dreamcatcher (USA, 2003)

Wisst ihr, was komisch ist? Ich habe den Roman vor einer Ewigkeit mal gelesen und den Film inzwischen zweimal gesehen, das letzte Mal vor einigen Monaten, und ich habe spontan keine Ahnung, worum es da noch mal ging. Entweder werde ich langsam alt und senil oder es liegt an der Geschichte an sich, die sich hartnäckig weigert, sich in meinem Kopf zu manifestieren.

Wie auch immer. It’s Stephen King time once again. Wie so ziemlich jeder Roman wurde auch “Duddits” (so der Romantitel) natürlich verfilmt. Und mit ordentlich Vorschusslorbeeren – mit Morgan Freeman ist ein durchaus namhafter Schauspieler an Bord, Regisseur Lawrence Kasdan ist auch kein kompletter Nobody und ein Budget von 68 Mio. Dollar sprechen auch durchaus für Vertrauen vom Studio.

CGI-Gewürm mit allerlei Zähnen
Was ist letzten Endes dabei herausgekommen? Für mich war es immer eine etwas ausgegorene Mischung aus „Tommyknockers“ (Aliens) und „Es“ (dieses Kinder/Erwachsene-Freundschaftsding).
Die einzige Szene, die mir nachhaltig in Erinnerung blieb: Die ganzen Waldtiere, die vor irgendetwas flüchten. Eine tolle, subtile Art, eine Bedrohung darzustellen, die nicht greifbar ist, weder als Zuschauer noch für die Charaktere im Film.

Sobald die Monster Schrägstich Aliens ins Spiel kommen, wird es zu einem Sammelsurium sehr dated wirkender CGI. Der Film ist in der Hinsicht überhaupt nicht gut gealtert. Das ganze wird schnell zu einem Klischee: zackige Militärheinis vs. böse Aliens, blabla. In der zweiten Hälfte des Films fällt das Drehbuch komplett auseinander und wird beliebig. Nein, noch schlimmer: Es langweilte mich.

Und warum ein geistig beeinträchtigter Mann (titelgebender Duddits) sich bei Bedarf in ein alienbesigendes CGI-Monster verwandelt verstehe ich bis heute nicht. Die beiden kabbeln sich ein wenig in einer Art Seifenblase und lösen sich in roten Staub auf. WTF? Das ist vermutlich ähnlich wie bei „Es“ – im Buch ergibt dieses ganze Telepathie-Ding wahrscheinlich Sinn, ist aber auf Film einfach nicht gut übersetzbar. (Vgl.: Ende von „Es“ im Buch und das unfassbar cheesy Ende der Filmversion.)

Duddits gonna save the day. 
Für ein B-Movie zu teuer und wohl auch einfach ne gute halbe Stunde zu lang. Schade!


Universal Soldier: Regeneration (USA, 2009)

Und wo wir gerade bei Cheapo-Sequels zu guten Originalfilmen sind: „Universal Soldier Regeneration“ ist mir mal über den Weg gelaufen und weckte meine Neugierde. Ich hatte keinen Schimmer, dass dies bereits Film Nummer 5 der Reihe ist. Das Original ist mir noch als recht gelungen (für einen Action-Nobrainer) in Erinnerung gewesen.


Böse Terroristen! Auf sie!
2009 von John Hyams für schmale 10 Mio. Dollar (lt. imdb) gedreht war der Film gar nicht so übel wie ich gefürchtete. Sicher, die Story ist kaum der Rede wert (kurz: 4.362te Variation des Frankenstein-Themas als Ausrede, wie man Van Damme und Lundgren wieder an Bord bekommt), aber die Action ist gut inszeniert und weiß gute 90 Minuten zu unterhalten, wenn man sich auf B-Movie-Action einlässt, den Kopf ausschaltet und grobschlächtige Muskelprotze beim Sich-dolle-auf-die-Mütze-hauen zusieht.


He's got a hook on you, babe.

Scheinbar ging ein Großteil des Budgets für die Honorare der beiden Stars drauf, denn es wurde kostenneutral in Bulgarien gedreht und dort vorzugsweise in irgendwelchen verlassenen Werkshallen und Bürogebäuden.


 Jean-Claude Camille François Van Varenberg, 49

Bulgarien, 12:01 - die Frisur sitzt.
Insgesamt Direct-to-DVD-Action der besseren, angenehm „altmodischen“ Sorte mit zwei Stars, denen man die Jahre seit damals ansieht, hier aber dennoch beeindruckendes leisten, insbesondere im finalen Kampf. Solide Genre-Kost.

DVD: Kinowelt (SPIO J/K)

Mittwoch, 25. Mai 2016

Starship Troopers 2: Hero of the Federation (Starship Troopers 2 - Held der Föderation) (USA, 2004)

Ein Film, der von Anfang an nicht besonders gute Karten hatte – ein Sequel zu einem der besten und meist verehrten Sci-Fi-Action-Filmen, das direct-to-DVD produziert wurde und mit mageren 7 Millionen Dollar auskommen musste (Vergleich Teil 1: 140 Mio). Geld ist nicht alles, daher war ich schon recht gespannt, was SFX-Mensch Phil Tippett in seinem Regiedebüt so abgeliefert hat. Hint: Es ist bislang seine einzige Regiearbeit geblieben. (Wem der Name nichts sagt: Tippett war maßgeblich für die SFX von der ersten Star-Wars-Trilogie, Robocop, Jurassic Park und dem originalen Starship Troopers verantwortlich.)

Solche Filme haben von Anfang an mit einer zu großen Erwartungshaltung zu kämpfen. Also schauen wir mal…

It's war! Get 'em bugs.
Wir befinden uns nach wie vor im „bug war“. Eine Truppe der Mobilen Infanterie kämpft auf einem fernen Planeten. Bald merken sie, dass sie schlechte Karten haben und ziehen sich auf einen Stützpunkt zurück (putzige Miniatur). Dort finden sie einen kernigen, bad-ass Militärtypen vor, der dort eingesperrt wurde, weil er seinen Vorgesetzten um die Ecke gebracht hat. In ihrer Not arbeiten sie mit ihm, dem „Verräter“, zusammen. Während draußen die Bugs warten, stellt sich bald heraus, dass sie nun eine andere Form des Angriffs entwickelt haben und Menschen infizieren… „Das Leben der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel!“ (Klappentext)

Vorweg – viel hat dieser Film mit seinem Vorgänger nicht gemein. Das heißt – doch, die Bugs. Insektenartige Aliens, der Menschheit nicht wohlgesonnen. Der Film hat in der ersten halben Stunde Kriegsfilm-Flair. Die Dramaturgie und der hektische Schnitt sind sehr typisch für diese Art Film, lässt den Zuschauer (mich zumindest) allerdings recht kalt, da man null Sympathie mit den austauschbaren Charakteren hat. Ein paar nette Effekte, auch wenn man gerade bei den CGI-Tricks merkt, dass es doch ein „Billigfilm“ ist.

Heute gibt's abben Kopp zu Middach. Mahlzeit!
Die zweite Hälfte, die nahezu komplett auf dem Außenposten spielt, ist von der Idee her interessanter (wenn auch bei „The Hidden“ geklaut). Welcher der Menschen ist infiziert, welcher nicht? Hätte ein spannendes Kammerspiel werden können, verliert sich aber in einigen drastischen, selbstzweckhaften Effekten (die dem Film ein JK/SPIO einbrachten) und pseudo-dramatischen Overacting. Hier wären ein Drehbuch und gute Schauspieler ganz hilfreich gewesen. Die Effekte sind überwiegend kompetent „handgemacht“ und könnten für Gorehounds ein Grund sein, sich dieses Ding reinzuziehen. Allerlei Kunstblut, abbe Fingers und anderes Geschlabber, was auf mich seltsam aufgesetzt wirkt und nicht so recht zum unausgegorenen Film passt.

"I'm so maaad!" Merke: Overacting von Meister-Proper-Lookalikes wird nicht besser, wenn man ganze Sequenzen sinnfrei blau einfärbt. Unsitte!
Trashiges, kostengünstiges Ab-18-Kino. Fand ich jetzt nicht so schlecht, wie ihn andere im Internet machen wollen, man muss ihn als eigenständiges Produkt betrachten und nicht an Teil 1 messen. Und im Originalton schauen, die Synchro ist unterste Schublade und macht die Schauspieler noch schlechter, als sie es eh schon sind. ;)

VHS/DVD: Columbia Tristar (JK/SPIO Freigabe)




Earth vs. The Spider (Spinnen des Todes) (USA, 2001)

Recht ungewohnt für diesen Blog ist das Entstehungsjahr dieses Films. Er wurde 2001 für das US-Fernsehen produziert, für die Reihe „Creature Features“. Zwei Namen machten mich neugierig auf dieses Werk – Dan Aykroyd und Stan Winston. Zwei ziemlich große Namen für einen obskuren Fernsehfilm. Mr. Aykroyd ist für mich seit Ghostbusters immer ein gern gesehener Gast, und der Name Stan Winston lässt einige nette SFX vermuten. De facto verrät der Abspann, das Mr. Winston hier überhaupt nicht mitgewirkt hat, sondern sich das von ihm gegründete Stan Winston Studio sich für die SFX verantwortlich zeichnet. Stan Winston persönlich ist einer der drei Produzenten.

"Wenn ich mal groß bin, möchte ich auch Superheld werden!"
Wer bei dem etwas dämlichen deutschen Titel (wie ich) eine Art moderne Version von Tarantula erwartet, wird sich etwas getäuscht fühlen. Vielmehr ist er eine Art Remake des 50er-Jahre-Horrorschmonses „Earth vs. The Spider“, so auch der Originaltitel. Dieser Film ist mir nicht bekannt, scheint es hierzulande auch nicht auf einen Datenträger geschafft zu haben. Statt Monsterspinnengegrusel haben wir hier eher so ne Art „Spiderman“ trifft „Die Fliege“.

Rotes Serum, verlockend.
Der junge Comicbook-Nerd und Aushilfsnachtwächter Quentin (Devon Gummersall) arbeitet in einem chemischen Labor. Was dort so erforscht wird, ist natürlich top secret. Eines Nachts wird selbiges überfallen zwecks Entwendung des Geheimnisses und sein älterer Kollege und Kumpel (mit der Synchronstimme von Homer Simpson) muss dran glauben. Im Labor wurde gerade ein rotes Zeug erprobt, dass aus normalen Spinnen unkaputtbare Superduperspinnen macht (das die Räuber natürlich nicht mitgenommen haben, diese Dussel), und im Ich-möchte-Superheld-sein-Wahn lässt sich Quentin von der verführerischen Spritze piksen. Daraufhin verwandelt er sich nach und nach in eine Spinne. Der abgehalfterte Cop Jack Grillo (Aykroyd) ist ihm derweil auf den Fersen (wenn er sich nicht mit seiner trinkfreudigen Ehefrau rumärgert, die zudem noch mit einem cooleren Kollegen rummacht), da sein Spinnenhunger ihn mitunter auch Leute umbringen lässt, die a) ihm nicht wohlgesonnen oder b) gemein zu anderen sind. Wird es ihm gelingen, das MONSTER ZU STOPPEN? (Dramatische Musik nach Gusto einfügen.)

Jack Grillo hat's nicht leicht ...
OK, die Story ist hanebüchen und erinnert sehr an 50er-Jahre-B-Movies. Aber das ist ja gewollt, und der Film liefert mit seinem coolen Comicbook-Intro und swingender Bigband-Mucke viel schönen Zeitkolorit. Die SFX-Leute haben ebenfalls gute Arbeit geleistet (im Rahmen des wahrscheinlich nicht überragenden Budgets, versteht sich). Die Verwandlungseffekte sind natürlich nicht so drastisch wie in Cronenbergs Fliege, aber für TV-Verhältnisse schon recht garstig.

... im Kampf gegen Arachno-Quentin.

Kurz: Gelungener, kleiner Monsterfilm mit einem Augenzwinkern, einer Prise Humor, hübschen Sets, einer gut aufgelegten Darstellern und für TV überdurchschnittlichen Effekten. Ich war positiv überrascht.

VHS: n/a
DVD: Columbia